Marrek – Keine Angst zu Sterben

Leseprobe, die ersten Seiten des noch nicht ganz fertig gestellten Originalskripts.
Dies sind das Präludium und die ersten 9 Einträge aus der Tagebuchgeschihte mit insgesamt um die 100 Einträgen.

Dies ist die noch unkorrigierte Version im Reintext.

 

 

Sei gegrüßt, edler Finder dieser Seiten.
Ich bekenne mich zu diesen Worten, und zu meinen Taten, von denen diese Worte und Seiten berichten.
Keine Beichte ist dies. Keine Bitte um Vergebung oder Absolution, kein Flehen um Anerkennung und auch kein Aufruf meinen Pfaden zu folgen.
Dies ist lediglich mein Bericht, weil ich einst einem Freund glauben schenkte, der mir sagte das ich der Welt einen solchen Bericht schulde.
Warum auch immer.
Die Wahrheit kenne ich nicht. So wenig wie ein jeder anderer.
Aber ich sehe klar und gut in meine Erinnerungen und in die Geschehnisse in mir, mit denen sich dieser Bericht beschäftigt.
Das Lesen ist eine Gabe, so wie das Schreiben.
Ich lies mir das malen der Worte beibringen, damit ich diesen Bericht schreiben konnte.
Du der du liest, sei dir Gewiss das es deine Wahl ist.
Sei dir sicher das du mir auf meinen Wegen durch meine Tagebücher und Briefe folgen möchtest.
Sei dir sicher das du dieses Buch schließen kannst, wann immer du willst.
So wie ich es hätte schließen können.
Mit einem einfachen Schnitt meines Stahls durch die eigene Kehle.
Aber das tat ich nicht.
Ich bitte dich also, wenn du mir mit deinen Augen und meiner Stimme in deinem inneren folgen möchtest, dann folge mir bis zum Ende, weil du willst.“

Dies ist wie der verfemte seine Aufzeichnungen beginnt, und ich halte es für richtig, diese Worte, diesen Auszug, diese Widmung auf eine Art, noch vor meinen eigenen einleitenden Worten zu seinen Texten zu belassen.
Er gab mir seine Seiten.
Ursprünglich wäre es sein Wunsch gewesen, diese irgendwo zu hinterlassen, damit sie gefunden werden könnten. Doch dazu kam es nicht. Aufgrund der Umstände und den Geschehnissen in diesem Land, das einst auch meines war, begab es sich, das der verfemte Mann vor wenigen Wochen, unbewaffnet und ungepanzert, sein kahler, vernarbter Schädel unbehelmt, nur in Lerderhosen und Leinenhemd und einem kleinen Lederbeutel über der Schulter, mit ausgebreiteten, leeren Händen und einem erhabenen Lächeln auf seinen vernarbten Lippen, durch die Tore unsers Palastes geschritten kam. Mit Gelassenheit passierte er die zurückschreckenden Torwachen und die ängstlichen Palastgardisten, die seine leeren Hände uns seinen Blick scheuten als würde eine Berührung oder ein Blick des Mannes genügen ihre Leben auszuhauchen. Er schritt ungehindert auf den Hof, unbekümmert von den Bolzen und Pfeilen die in zitternden Händen auf ihn gerichtet waren, und stellte sich vor die Tore des Thronsaales um leise darum zu bitten den König sprechen zu dürfen.
Gegen das anraten seiner Bediensteten, seiner Beamten und Ratgeber, gegen das Flehen seiner Königin und die Bedenken seiner Generäle und Hauptmänner, gewährte unser Herrscher die Audienz ohne Zögern, und verbat das Waffen auf den Mann gerichtet würden, als wäre dieser Gefürchtete nichts weiter als ein alter Freund.
Marrek war einst der Name, bei dem der Mann genannt worden war. Und mit diesem stellte sich der weitgereiste Mörder und in allen angrenzenden Ländern bekannte Todesbote dem König. Stellte sich und stellte sich ihm vor.
Ich war an der Seite des Thronraumes postiert und beobachtete, wie der Mann, den eine seltsame Präsenz umgab, vor den Thon trat, und wie unser König eigenartig lächelte und ihn, ohne ein einziges Wort, mit einer Geste zum Reden aufforderte.
Die Botschaft des Verfemten war eine einfache und direkte.
Er wäre bereit sich hinrichten zu lassen, hier in diesem Land und vor diesem König als Zeugen. Und er wäre zudem gewillt zu verzichten, auf sein Recht ein Gottesurteil in der Arena entscheiden zu lassen, wie es die Tafeln unseres Landes den Schuldigen zugestehen. Denn, so sprach er, wisse der König, das die Götter selbst ihn zu sehr fürchten würden, als das sich ihm etwas in der Arena stellen könnte. Er wäre bereit diesen sicheren Freispruch von sich zu weisen, und sich dem Richtblock frei zu stellen, so wir, das Land und der König, sich drei Bedingungen beugen würden.
Unser Herrscher blickte auf den Mann und nickte. Ihre Blicke hafteten aneinander, und ein Verstehen schien zwischen den Beiden zu sein, das ich nicht nachvollziehen konnte.
Erstens verlangte der Mann, das er sich seinen Scharfrichter aus den Reihen der Gnadenbringer dieses Reiches selbst wählen dürfte, und das der erwählte bei der Vollstreckung auf seine Amts-Maske verzichte.
Zweitens wollte er ohne Fesseln und Ketten und Richtblock, und ohne Schaulistige den Todesstoß Empfangen und dabei dem unmaskierten Scharfrichter in die Augen blicken.
Und drittens wolle er seinem Henker auferlegen sich mit ihm zunächst zu unterhalten, und das dieser, bevor er ihn zum Tod bringen würde, sich verpflichtete etwas zu lesen.
Unser König hatte bei den ersten beiden Bedingungen genickt. Bei der letzen nun aber, zögerte er, und betrachtete Lange das Gesicht des verfemten.
Er Atmete tief durch und lehnte sich in seinem Thron zurück. Ich sah wie seine Hand kurz zuckte und konnte mir gut vorstellen wie seine Hände wenige Jahre zuvor noch das mächtige Schwert täglich umklammert hatten, dessen Heft immer noch griffbereit hinter der Lehne des Throns aufragte.
Dann aber nickte der König ein letzes mal, und winkte seinen General heran.
Dieser sprach seine Befehle aus, und so geschah es, das ich und alle anderen der fünfzig Gezeichneten, die sich nach langen Jahren der Bildung und verdienten Ehren auf den Schlachtfeldern des Reiches, entschlossen hatten dem Ruf zu folgen und sich das Zeichen der Gnadenbringer seiner Majestät auf die Stirn brennen zu lassen, uns in einer langen Reihe auf dem Palasthof aufstellten.
Wie wir das standen, Prachtvoll mit den Symbolen unseres Amtes, in unseren Roten Mänteln und Dicken hohen Stiefeln, unseren Ledermasken, die nur die geziechnete Stirn und die Augen freiließen, unseren Amuletten mit den Siegeln des Königs um unsere Hälse, und unseren krummen Richtschwertern auf den Rücken, die rot behandschuhten Hände an den langen Bronzestäben die wir vor uns auf den Boden gestellt hatten.
Gnadenbringer.
Der Fremde Schritt die Reihe ab. Nicht in Eile, nicht langsam, sondern so, als hätte er ein klares Zoiel vor sich, und alle Zeit es zu erreichen.
Er beachtete die Männer nicht, und blickte lediglich kurz in die Augen der wenigen Frauen, die das Siegel trugen.
Als er die meinen Fand, blieb er stehen, drehte sich zu mir, und bat mich mit seiner rauhen Stimme, die Maske abzunehmen.
Ich veränderte den Stand meines Bronzestabes, lies ihn in die Armbeuge meiner rechten gleiten, und griff mit der linken in meinen Nacken, um die Bänder meiner Maske zu lösen. Das rote Leder viel zur Seite auf seinen Platz an der Schulter des Mantels, und befreite meine Nase und das sanfte rot meiner Lippen.
Er blickte mir lange ins Gesicht. Und entgegen meiner Erwartungen, viel es mir leicht seinem Blick standzuhalten. Es war kein prüfender, kein heruasfordernder oder flehender, und kein kalter Blick. Seine Augen erinnerten mich an die eines Großvaters, der in den Augen seiner Enkelin sanft nach der Wahrheit sucht, wenn er sie fragt wie es er ihr ergeht.
Ich lächelte, und er nickte, trat zurück und wies mit der Hand auf mich, den Blick zum König gewandt.
So war es entschieden, das ich es sein würde der dem Verfemten Todesboten im Gespräch gegenüber sitzen würde.
Und das ich es sein würde der ihm die Gnade der Klinge gewähren würde, von Angesicht zu Angesicht. Und ohne Block und Fesseln und Masken und Schaulustige.
Und so geschah es, das mein Leben sich änderte.

Der Verfemte wurde mir in einer der Zellen an einem schweren Tisch gegenübergesetzt.
Er hatte zu Essen und zu Trinken von des Königs eigener Tafel bekommen, und nickte mir anerkennend entgegen, als ich ihm gegenüber Platz nahm.
Er griff in seinen Lederbeutel, und zog ein, in dickes, fleckiges Leder gebundenes Buch heraus. Seiten aus feinem Pergament dawischen, und eine Halterung für einen Federhalter am Einband.
Er legte das Buch behutsam auf den Tisch, betrachtete es einen tiefen Atemzug lang, und schob es dann mit drei Fingern seiner Linken Hand in meine Hälfte des Tisches, als würde er bedächtig einen gewichtigen Einsatz Platzieren.
Dann tippte er mit den Fingern auf den Einband, betrachtete die Leere Halterung, wo eine Schreibfeder aus Glas oder Metall hingehörte, als würde es ihm zu Leicht fallen mich damit zu töten, und hätte Sie deshalb in der Ledertasche gelassen, und lächelte mich dann an.
„Lies es“ sprach er in den stickigen Raum, und nahm seine Finger von dem Buch.
„Lies es, und sprich mit mir darüber wenn du magst. Wenn du damit feritg bist, dann kannst du mich hinrichten!“
Ich nickte und schlug die Seiten auf.
Die selben Seiten, die nun auch auf Dich warten.
Denn ich habe Sie nicht verändert.

Gandenbringerin Loranish,
viertes Siegel
im Dienste seiner Majestät Abou Fatmaz des ersten
Herrscher über die mittleren Lande
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Erster Eintrag:
keine Datierung
Einer der Auszog das fürchten zu lernen

Ich bin ein ruheloser Mann.
Der Spuk der hunderttausend Seelen, deren Leben ich ausgehaucht habe, hat keine Macht über mich. Kein Gewissen, kein Schatten der Vergangenheit plagt mich. Es ist vielmehr das feheln einer Regung, bei dem Gedanken an diese.
Ich bin am Leben.
Ich. Bin am Leben.
Doch, weiss ich noch immer was das ist?
Mich jagt der Schatten meiner eigenen velorenen Seele, die irgendwo, bei einem meiner Opfer zurückgeblieben ist, und dort auf mich wartet. Die wartet, bis ich ihrer wieder würdig bin, bis ich die Menschlichkeit wieder erfunden habe, die ich verlor.
Mein Lachen. Es erklingt ein jedes mal, wenn ich den blutigen Helm mir von den Schultern nehme, und die Luft meinen immer noch auf dem Hals sitzenden Kopf umstreicht, und ich die Sonne und die Wolken sehen kann, durch beide meine Augen.
Doch dies Lachen, ist längst hohl, wie die Knochen die mein Schwert zerbarst. Ist es nicht längst hohl?
Geschichten von Blut hab ich mit Blut geschrieben, in den Staub und in den Schnee.
Und wenn der Regen kommt, und den Boden aus, von abertausend Füßen, auf der Suche nach dem Fehler des anderen, plattgetrampelter Erde, den Lehmleib der Arena in Schlamm verwandelt und das ganze Blut fortspült… wo sind die Geschichten dann? Sind sie auch fortgewaschen in purpurnen Flüssen? Durch den Schlamm und hinein in die Ewigkeit, den Leib der Erde, gesogen, in die ich mich nicht in Frieden legen kann, solange mir fehlt, was allen anderen gegeben ist.
Die Lust! Die Lust am Leben ist Groß!
Doch ist sie groß genug, wenn mir die Angst vor dem Sterben fehlt?
Das Lange Schweigen, hat im Vergleich mit dem Lärm der mir geliebten Welt an Schrecken verloren.
Doch um zu wissen das ich Lebe… das ich wahrhaft lebe? Da helfen kein Wein und keine Weiber. Um zu wissen das ich lebe, muss ich die Angst wiederfinden. Ich muss die Angst wiederfinden.
Finden.
Weil dann kann ich eins sein, und in mein Grab sinken, und… Und mir der Lebendigkeit sicher sein, die ich nun lediglich zu fühlen glaube.
Und Bis dahin? Da studiere ich sie!
Die Angst. In den Augen meiner Gegner. Meiner Opfer?
Ich suche nicht den Tod, sondern das Leben, das er mir mit seiner Präsenz verdorben hat; ohne es mir zu nehmen!
Der Bruder ist ein finsterer Geselle, doch ich hab ihn immer gern umarmt. Und anderen gegeben.
Ich stelle ihn dir vor, wenn ich mein Schwert ziehe!
Und verzage nicht wenn es soweit ist. Wenn ich dir gegenübertrete:
Dein Leben wird nicht umsonst ausgehaucht werden. Denn ich, werde etwas lernen, von deinem letzten Blick.
Und wenn du zu sterben gelernt hast, von mir, vielleicht habe ich dann wieder besser zu Leben gelernt, von Dir.
Ich durchziehe diese Welt auf unbestimmten Pfaden, mit jedem Schritt dem Tod entgegen, der ich für so viele andere geworden bin. Ein Leben im Visir, das ich glaube gehabt zu haben!

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zweiter Eintrag: Die Stadt
keine Datierung

Die Handelsstadt ist Groß. Aber nicht prachtvoll oder ehrfurchrgebietend.
Ihre Mauern ragen dort aus der Ebene, und sie lehnt sich asuladend gegen die Küste, wie ein fetter Edelmann an seine vollbusige Mäträsse.
Wie dicke Adern sprießen drei Lange, gut gepflegte Handelstraßen von ihrem großen Haupttor in drei Himmelsrichtungen, und auf ihnen fließt, wie goldener Ichor, der stete Strom der voll bepackten Handelswagen. Ob die Stadt das Herz ist, das schlägt und diesen Puls aus Gütern hinauspumpt in die Welt, oder ob sie selbst nur ein Organ ist das von diesen versorgt wird, mag ich nicht zu sagen.
Sicher ist, das diese drei Straßen, und der große Ostmeerhafen, die Stadt mit Schiffen und Karawanen gut gestopft haben und Sie ist von dieser auserwählten Diät aufgequollen und Fett geworden.
Sie hat Türme, die höher sind als die der Stadt des Kaisers im Süden, wo ich meine Reise begann.
Aber die Türme haben nichts Aesthetisches, sondern wirken mehr wie Menschengeschaffene kleine Berge, mit der pragmatischen Hässlichkeit von Termitenbauten. Auf dem Hügel, über dem Hafen erheben sich die Edleren Viertel der Oberstadt, und deren feine Fenster aus echtem Glas glitzern in der Untergehenden Sonne und werfen Reflexionen über die Ebene, so das es tatsächich aussieht, als hätte der Fette Moloch eine Krone auf.
Ich folge den in die Stadt ziehenden Karawanen und durchschreite lächelnd ihr risieges Haupttor, das offenstehet wie die gespreizten Beine einer gut gefragten Hafenhure. Ich lächle leicht. Zurück in die Labyrithe der Zivilisation. Wer weiss was sich hier ergiebt.
Draussen in der Wildnis der leeren Einöden habe ich nichts erfahren und nichts gefunden was mich meinem Lebensdurst und meiner Suche nach der Angst vor dem Tod näher gebracht. Die angeblich so grausamen, schneebedeckten Hochebenen, die hinter mir liegen und die eine der natürlichen Grenzen der südlichen Reiche sind, hielten nur wenige Kämpfe für mich beteit, und die Tode meiner dortigen Begegnugen waren wenig lehrreich.
Wildkatzen und Halbwilde Jäger, voller Zorn aber mit stumpfen Augen.
Die Tiere, obwohl sie starke und schnelle Kämpfer sind, sterben zu klar. Mit zuviel Reinheit und Weisheit und zu wenig bewusstsein in ihren Augen um mich an eine Angst zu erinnern die ich vielleicht einmal empfand. Sie sterben entweder zu plötzlich oder zu hingebungsvoll. Die Großkatzen und Berglöwen, deren Territorien ich hinter mir lies, waren auch nicht anders als die erhabenen Raubtiere denen ich im Sand der Arena gegenüberstand. Sie sterben in voller Fahrt, im Angriff und gefangen in den fest in ihnen verwurzelten Instinkten und dem ungelenkten Zorn ihrer vom überlebenstrieb aufgekochten Säfte. Ebenso schlecht sterben die wilden Jäger, der in den Hochebenen ansässigen Stämme, die im Kampf gegen die wilden Tiere, denen sie sich mit ihren Speeren stellen, kaum selbst wissen welche Seite ihres Strebens der Jäger und wer wessen Beute ist. Ihre Augen kennen keine echte Angst vor dem Tod, so wenig wie die Städt vor mir das Maß kennt.
Und die Schaafe und Bullen, die ich auf meinem Weg abschlachte, um ihres Fleisches willen, verrecken noch weniger bereichernd. Sie geben sich dem Tod einfach hin, oder schreien mit ihren schrillen Tierischen Stimmen um Gnade, noch bevor man sein Messer gezückt hat. Diese schrille Angst ist mir bekannt. Die heillose Panik der wehrlosen und Opfer. Sie ist unbefriedigend, und hält die Augen nicht ruhig genug um sich studieren zu lassen. Ein schnelles Ende ist daher erstrebenswert wenn es um diese Tiere oder ihre niederen, menschlichen Jäger geht.
So also suchte ich die Südliche Handelsroute und folgte den Pässen bis hierher. Vieleicht hält die Zivilisation mit all ihrem Eiter und ihren gewalttätigen Geschwüren, ihrem Hochmut und dem falschen Glanz, den verborgenen Schlachten und dem Elend, dem besinungslosen Reichtum und Konsum für mich eine Aufgabe bereit.
Ich wende mich auf den Straßen so, das ich mich von den glänzenden Palästen auf den Hügeln entferne, und gehe instinktiv in Richtung hafen und Unterstadt. Mein Instinkt lockt mich dorthin. Zu den Auffangbecken des Abschaums der von den Rändern der Stadt in die Unterstadt trieft wie schaumiges Fett aus den Kesseln eines Gerbers.

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dritter Eintrag
Datierung: Erster Abend in der Stadt.

Ich stehe auf der Terasse und blicke der Sonne nach, die sich auf den Horizont senkt, doch mein Augen sehen weder die Stadt noch die rote Glut des Sonnenfeuers.
Ich habe meine Triebe befriedigt. Gegessen, und mir ein halbwegs sauberes Weib für die NAcht in der selben Spilunke gekauft die mir das Essen ausgeschenkt und auch den Raum vermietet hat. Wein habe ich mir gekauft, und nehme hin und wieder einen Geistesabwesenden Schluck aus dem Lederschlauch. Meine Augen sehen die Toten. hören den Jubel der Menge auf den Rängen. Ich blinzle und sehe mein Schwert wie es einen jungen das Gesicht in zwei ungleiche Hälften schneidet. Ich blinzle und sehe wie meine Hände einen abgebrochnen Speerschaft im Nacken eines großen schwarzhäutigen vergraben. Ich blinzle und sehe wie ich ein Messer am Harnsich vorbei, in die Achselhöhle eines blonden Hühnens ramme. Ich blinzle und sehe Blut aus dem Abgeschlagenen Gliedern eines Gegners spritzen. Ich blinzle und sehe wie ich das Gesicht einer rothaarigen Frau mir meinen schweren Stiefeln in den Staub trete. Ich blinzle und sehe wie ein Gesichtloser, namenloser, bedeutungsloser Körper, meine Hände um den Hals, unter mir erschlafft als wäre es das Ende eines Liebesaktes, und seine Erschlaffung der Lohn für meine Mühen wäre. Ich blinzle und jemand stirbt in meiner Erinnerung. Doch ich sehe nichts von Wert. Und ich empfinde keine Angst. Ich suche ihre Augen in meinem Inneren ab und finde nichts das mich lehrt. Ich blinzle und verrichte das Werk der Erinnerung an die Opfer meines Kampfgeschicks in den Arenen des Kaisers. Wie so oft. Wie eine nutzlose Pflichtübung in den Trainigsgärten der Meister.
Eine dünne Hand berührt meine Schulter.
Eine andere greift nach dem Weinschlauch in meiner Hand.
Es ist lange her das die Sonne untergegangen ist.
Ich höre erst wie sie von dem Wein trinkt.
Dann ihre künstlich süße Hurenstimme mit der Sie die Dunkelheit fragt:
„Es ist spät. Kannst du nicht schlafen?“
Ich deute barsch mit der Hand auf den Vorhang durch den Sie auf die Terasse und in meine Gedanken gekommen ist, und das Strohlager dahinter von dem sie sich entfernt hat.
Sie wendet sich ab.
Ich nehme einen Schluck von dem Wein.
Ich blinzle und ein Mann stirbt. Ich höre meine eigene, rauhe Stimme, die der Dunkelheit auf ihre Frage antwortet:
„Können ist nicht das Problem“

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vierter Eintrag.
keine Datierung

Tage vergehen in Ereignislosigkeit.
Ich gehe durch die Gassen und lasse mich treiben.
Ein Junge greift nach der Börse an meinem Gürtel. Ich fasse ohne hinzusehen seine Finger mit meiner linken, ziehe ihm die Flache Rechte mit einem Knall über den Schädel, und zerbreche bevor ich mich versehen seinen Kehlkopf mit der geschlossenen Faust meiner Rückhand.
Der Abschaumd er Unterstadt um mich hält nicht inne seinen eigenen Tagesgeschäften nachzugehen.
Ich seufze schwer und knie mich nieder, und blicke in die Augen des Jungen der röchelnd zusammengebrochen ist.
Harter Bursche, das er noch bei Bewusstsein ist. Vielleicht die Säfte des Schrecks und er Aufregung vor dem Diebstahl, die ihn oben halten. Ich Lege ihm sanft die selbe Hand auf die zitternde Brust, mit der ich den tödlichen Schlag ausführte.
„Gedankenlosigkeit ist das Verbrechen der Überheblichkeit.“
Die Stimme aus meiner Vergangenheit. Die Regeln eines anderen Überlebenden, welcher der Arena nie ganz den Rücken Kehrte, wohl aber den Kämpfen. Ausbilder. Knecht der Klingen. Vorbild. Abschaum. Vaterfigur.
Ich blicke in die Augen des Jungen, um dessen aufgesprungene Lippen sich die roten Blasen seines Todes bilden.
Ich suche nach der Angst, und finde sie, gepaart mit einer seltsamen Enttäuschung, einer Bitterkeit die seine Jahre in Frage stellt, eine Versagensangst noch deutlicher als eine Todesangst in seinen Zügen. Vielleicht hat er eine Familie die er mit seinem Raub zu ernähren hoffte, oder er hatte Träume die er sich hoffte mit meinen Münzen zu leisten, und die mit der Gewissheit des Todes zu stinkender, fauliger Asche zerfallen.
Er umklammert meine Hand mit den seinen, als könnte er sich an mir Festhalten, und das hinfortgleiten aufhalten, das hinübertreiben, das ich so oft schon beobachtete.
Ich schaue ihn an und bin halb fasziniert, halb bekümmert.
Mir wird bewusst das mich sein Tod etwas lehren wird. Entweder einen Hauch der Angst zu verstehen, oder mich vor der Gedankenlosigkeit zu schützen.
Er hustet und röchelt und besprenkelt meinen alten Umhang mit rotem Nebel.
Jetzt kommt die Panik in seine Augen. verdrängt den Edelmut und die Enttäuschung und die Frustration, und all die interessanteren Nuancen seiner letzen Momente.
Bedauerlich.
sein Griff wird kurz stärker, während er im Staub der Straße zuckt und sich vor seinem inneren Tod hinfortzuwinden sucht. Doch vor dem inneren Tod gibt es kein entrinnen im äußeren.
Dann erschlafft sein Griff um meine Handgelenk und seine Augen werden blind. Brauner Staub haftet sofort an seinen unbeblinzelten Augen, und ich rieche die Scheisse in seinen zerlumpten Hosen.
Der Tote hat nicht ehrwürdiges.
Der Tod manchesmal schon. Es ist nur ein Moment. Davor sind wir handelnde und atmende und können uns durch das was wir tun über die Nassen und Stinkenden Wahrheiten allen Lebens erheben, im Tod so am allermeisten.
Doch ist der Moment vorüber, und mit ihm unser Handeln und Leben, bleibt nichts zurück als das nasse verwesende und stinkende Fleisch aus dem alles Leben besteht, und das wir bewohnen und dem wir Sinn verleihen mit unserem Handeln.
Ich sollte mich vor der Gedankenlosigkeit schützen.
Nicht nebenher und irgendwen sollte ich töten.
Sollte mir Augen von mächtigeren Gegnern Suchen, in denen Sie sich besser betrachten lassen, das Antlitz der Angst, vor dem Tod, und die Fülle ihrer letzten Momente in diesem.
Die Ernte ist keine Frage der Menge, sondern eine Frage der Güte.
Ich erhebe mich über den Leichnam des kleinen räudigen Diebes, der nicht genug Verstand oder nicht genug Instinkt besaß um mich als das zu erkennen was ich bin.
Das größere Raubtier.
Der Räuber weis zu Kämpfen, wo der Dieb nur zu rennen weiß.
Ich betrachte das Tote Gesicht, von der Panik und den Krämpfen seines Ablebens zur Grimasse verzerrt.
Die Tage vergehen Ereignislos.
Aber ich erlange durch diese Begegnung mit dem Jungen Leben, welches sich wie eine hoffnungsvolle Welle an dem Fels meiner Gewalt brach und verging, und am Dreckigen Strand der Straße versandete, ich erlange durch diese Begegnung die Erkenntnis das ich nicht einfach hierhergekommen bin um zu Töten. Die Stadt ist keine Arena, und es ist schwer zwischen Sklavenopfern, Zuschauern, Beiständern und Gegnern zu unterscheiden. Ich habe große Duelle unbesiegt bestritten, ich bin nicht von dort weggegangen um mich den kleinen Toden hinzugeben.
Ich bin kein Mörder, sondern ein Kämpfer auf der Suche nach Augen die mich lehren können…
Die Beiläufigkeit meines tödlichen Hiebes lässt mich wundern:
Fällt mir das Töten zu leicht? Bin ich deshalb soweit gekommen das mich niemand mehr zu fordern wagte?
Bin ich deshalb in die Ungnade des Jubels gefallen?
Ich blinzle und merke mir das Gesicht des Jungen.
Dann mache ich einen Schritt über ihn hinweg und setzte meinen Weg durch die Stadt fort.
Wo werde ich Gegner finden?
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fünfter Eintrag
keine Datierung

Hörte zwei trinkene Seemänner sprechen.
Von Antworten und dem Mysterium der Zukunft. Von Etnscheidungen und Richtungsweisungen der Götter durch die mit dem zweiten Gesicht. Hatte nichts zu verlieren, also lies ich mich empfehlen, und war also Gestern bei der alten Hexe, die in dem schmuddeligen Kellerloch im Marktgraben haust.
Wollte mir aus der Hand lesen lassen, wie der Seemann es gesagt hatte.
Wollte Fragen stelle.
Aber sie quatschte nur wirres Zeug.
Von den Narben und den Toten und dem Weg in die Finsternis vor mir.
Ich fragte Sie nach einem Ort wo ich meine Suche fortsetzen könnte.
Sie blickte mich mit ihren Blinden Augen an und sprach: zwischen dieser Küste und der nächsten, jenseits des Horizonts aber nicht jenseits des Meeres.
Ich gab ihr ihren Groschen und verließ das nach Knoblauch, Lampenrus und Katzenpisse stinkende Lehmloch.

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sechster Eintrag
Datierung: 13 Tag in der Stadt?

Der Mann der neben mir sitzt starrt mich an.
Er ist älter wie ich. Schon ganz Grau, und weit auf dem Eege über den Zenith seines Lebens hinausgekommen.
Falten und eine Lange Narbe auf der Stirn zeichnen seine Visage in die Rauchgraue Finsterniss der Spilunke.
Er starrt mich an.
Ich nehme einen Schluck von dem Braunen Zuckerbrandt in dem schmutzigen Tonbecher vor mir.
„Was ist Alter?“ Frage ich ihn Barsch.
Er nippt an seinem billigen Kornbrand und starrt mir in die Augen und fragt:
„Ich sehe deine Augen. Was ist es das du Suchst? Suchst du den Tod?“
Ich lache trocken auf.
Dann wende ich mich um und sehe ihm in seine Augen. Ich trage keine Masken oder sanfteren Empfindungen zur Schau. Wer sich traut mich anzusehen darf und kann in mir lesen.
Ich habe keine Angst davor in ihren Blicken etwas über mich selbst zu erfahren.
Die meisten schauen weg.
Der Mann da, der tut es nicht.
Er nippt an seinem Korn und zieht fragend eine Augenbraue hoch.
Er hat nur einen Arm. Hat Narben.
Ein Krieger?
Ich spreche es aus. Zum ersten mal vielleicht vor einem Anderen.
„Ich suche die Angst vor dem Tod.“
Jetzt lacht der Mann trocken auf, wendet sich seinem Bild in dem Spiegeleisen hinter der Theke zu, und sagt mit einer vor alter gebeugten Stimme, die anders klingt wie die mit der er mich fragte:
„Dann geh in den Krieg.“
Und seine Schultern beugen sich und sein Kopf scheint ziwschen sie hinabzusinken.
Ich ziehe fragend eine Augenbraue hoch, wende mich selbst um und blicke mein Bild in den Spiegeleisen hinter der Theke an.
Krieg?
Wahlloser Kampf.
Eine Arena ohne Begrenzungen.
Ich kenne Soldaten.
Sie sind kaum freier und kaum besser dran als die Sklaven, oder die Verurteilten die man in der Arena zum kämpfen zwingt. Dreck. gebunden an die Befehle der reitenden Offiziere, der Ritter und Generäle. Bauern mit Waffen, die zum Korn werden vor der Sense. Die Welt verkerht herum, der Kampf ein Gefängniss.
Ich bin kein Soldat und kann auch keiner Werden um mich zu befreien.
Ich höre wieder die Stimme aus meiner Erinnerung:
„Der Krieg ist Kein Zweikampf. Der Zweikampf ist kein Krieg!“
Danke.
Ich dachte bisher, im Krieg läge nur die panische Sorte Angst vor dem Tode in der Luft. Aber wer weiss. Ich war ja noch nie da gewesen. Also ziehe ich in den Krieg? Wie aber, ohne Soldat zu werden.
Ich kaufe mir eine neue Hure und ein neues Zimmer. Das Alte Set langweilt mich. Die Frau redet zu viel.
Ich kaufe mir eine neue Langeweile, und einen neuen Weinschlauch und gehe.
Der Alte am Tresen blickt nicht auf als ich Gehe.
Ich sehe seine Augen.
Er Sucht den Tod, aber hat nicht den Mut ihn zu finden.
Ich gehe, um mich in der Langeweile zu ertränken. Und um Nachzudenken.
Vielleicht wartet meine Antwort im Krieg?
Aber sicher nicht im Kampf mit den Schlacht-tieren des Adels, in den blutigen Reihen der Einberufenen und der Willkür der Hörner und der Trommeln unterworfen.
Hier wartet nur das Chaos.
Vielleicht fällt mir ein Weg ein, den Krieg zu besuchen, ohne zum Soldaten zu werden… Blick zurück zum Tresen …Ohne zu ihm zu werden.

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siebter Eintrag
keine Datierung

Weis nicht was ich schreiben soll… die Strömung trägt mich nicht, weil der Abend nichts taugt. Ich warte auf die Worte um etwas wichtiges zu beschreiben, um meine Geschichte vorwärtszubringen, aber der Kampf gegen die Stille die meine Finger umfangen hält scheint bereits verloren. Ich richte mich innerlich auf. Wieder un wieder und wieder, um gegen die Stille anzurennen, die meine Finger umfasst hält, und damit auch die Feder festhält, welche meine Finger umfassen. Ich will einem Gedanken folgen und kann nicht. Kein Gegener in der Arena konnte vor mir fliehen, und doch, obwohl mir mein Kopf von außen her betrachtet ein ebenso begrenzter Ort, ja ein schienbar begrenzterer Ort zu sein scheint, entkommt mir der Gedanke ein aufs andere mal. Stellt sich mir nicht und lässt mich anstatt dessen feige in Fallen und Gruben rennen, die mich festhalten und meine Suche nach dem Gedanken behindern.
Ich möchte schreiben. Ich möchte Zeugniss ablegen. Ich möchte mein Versprechen halten, und Berichten.
Ich nehme mir die Zeit und stelle mich der Geduld des Papiers. Ich nahm mir bereits die Zeit zu lernen wie man die Zeichen macht die Worte bedeuten, wie man die Sätze beisammen hält und in Ordnung bringt, damit man ihnen halbwegs zu folgen vermag. Vermalledeit. Aber nichts bereitet mich darauf vor mit der Feder in der Hand, willig, wie bewaffnet im Rund zu erscheinen und keinen Gegner zu bekommen der sich einem stellen möchte. Sich zum Papier zu begeben und es nicht gefasst zu bekommen, was man eigentlich schreiben will. Oder es nicht zu wissen. Morgen dann. Vielleicht ist es auch eine Erkenntniss das es einen Anlass braucht, um zu Kämpfen. Nur die Arena willig zu betreten macht einem noch keinen Anlass, und auch noch keinen Gegner. Nur den Mut zu haben die Feder in die Tusche zu tauchen und sich vors Pergament zu setzen, macht einen noch nicht zum Schreiber… wer weiss, vielleicht gibt es Heute auch gar nichts zu sagen. So wie es in dieser Stadt nicht wirklich jemanden zu bekämpfen gibt. Ich bin nicht hier hergekommen um balanglos zu Töten, auch wenn ich des tötens willig bin. Und zwar bin ich gleichweise willig zu schreiben, aber ich bin ebensowenig hergekommen um Belangloses zu Papier zu bringen.
Was soll ich auch schreiben, über die konsistenz meines Kots, oder die Farbenfrohen Baldachine über den Terassen der Häuser an den Hängen? Über die Schiffe im Hafen und was die Weiber beim Waschen am Fluss tratschen? Über die Hochzeiten der Herrschenden Kasten oder die Meträssen der Dogen? Ich erschlage nicht willkürlich dahergelaufene Knaben? Ich werde mich hüten willkürlich aus der Erinnerung meines Tages gegriffenes zu beschreiben.
Die Feder und das Schwert sind gleichmächtig.
Und bedarfen in ihrer Anwendung ähnlicher Sorgfalt, und sollten beide nicht unbedacht gezogen werden.
Geschweige denn blutig gemacht werden.
Ich nehme die Feder nun vom Blatt, und ich Gedenke zum ersten mal, wie ähnlich sich die Gesten sind, mit der man die kleine Metallspitze von Tusche reinigt, oder die große Metallklinge von Blut…

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achter Eintrag
Datierung: Heroldstag!

Nachrichten werden in der Stadt kundgegebne. Die Herolde verlesen die Dekrete aus der Oberstadt auf den Plätzen, und nageln die Pergamente and die Türen der Offiziengebäude und die Marktsäulen.
Als hätten meine Gedanken von Tagen zu vor die Welt bewegt, als wäre mein Wille in den Krieg zu ziehen ein seltsames Gebet das erhört wurde, ist die Nachricht des Tages Krieg!
Krieg gegen die Länder auf der anderen Seite des Ostmeeres.
Alle großen Häuser dieser Stadt und der Ländereinen des Königs sind aufgefordert kontingente ihrer Truppen und Soldaten der Sache beizusteuern. Wer dem Ruf der Armee folgen will, kann sich einem dieser Herrscher anbieten, einer der Hausarmeen beitreten und in den Krieg ziehen. Je mehr freiwillige aus dem Volke sich finden, um so weniger wird man einziehen müssen. So das Dekret.
Ich bin begeistert. Gerne will ich in den Krieg. Aber ich weiss auch immer noch genauso fest das ich kein Soldat sein kann. Kann nicht diesen Herrschern auf Geratewohl unterworfen in den Kampf ziehen.
Ich wiege mein Optionen.
Da sehe ich einen zweiten Anschlag.
Aufruf für Söldner. Wer immer drei Dutzend Kämpfer und ein eigenes Schiff aufbringen kann, darf sich der Sache des Königs anschließen und bei Rückkehr dfür vom Gold des Königs oder von der Gnade des Königs nehmen!
Drei Duzend Mann.
Ein eigenes Schiff…
Besser wie einer von einhundert Sklaven zu sein, und an der Seite von Bauern zu Kämpfen… schlimmer noch, den Bauern beim Sterben zuzusehen auf beiden Seiten…
Ich gehe morgen los, um mir Gleichgesinnte zu suchen.

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neunter Eintrag
keine Datierung
Ich habe in den Ereignissen der letzten Tage meine Verpflichtung des Schreibens kaum ernst genommen, und muss nun nachtragen.
Ich habe sechs Gleichgesinnte gefunden.
Männer die ihre eigenen Gründe haben in die Schlacht zu ziehen.
Um genau zu sein, haben die ersten Drei mich gefunden. Ich war auf meinem Weg durch die Stadt, als mich ein schwarzer Hühne ansprach, mit dem gleichen Anliegen auf den breiten Lippen, mit dem auch ich mich auf den Weg gemacht hatte: Gleichgesinnte zu finden um die drei Dutzend eines Söldnerkontingents zu füllen. Männer mit Gründen in die Schlacht zu ziehen, aber wenig Motivationen sich einem der Häuser und einem der Herrscher oder einem der Generäle zu unterwerfen. Kämpfer die ihr Glück und ihren Ruhm im Krieg suchen wollen, aber nichts damit anzufangen wissen, in geschlossenen Reihen aufeinander zuzumaschieren, und dabei zu hoffen, das ein Mann auf dem Hügel, der Fahnen schwenkt, die Befehle eines anderen Mannes auf einem anderen Hügel richtig verstanden hat, und das dieser das Gelände und den Zeitpunkt richtig beurteilte, bevor er seinen Befehl gab.
Er stellte mich seinen zwei Begleiten vor und so traf ich die ersten meiner neuen Kampfgefähren, einen ehemaligen Legionär und einen weitgereisten Feldscher.
Zusammen gingen wir die anderen Aushangorte und den Hafen ab, und trafen bald auf einen jungen Bogenschützen, und an einer andern Stelle auf einen Nordlandbarbaren mit seinem Wegbegleiter, einem heißblütigen Glücksritter.
Wir waren nun zu siebt, aber trotzalledem kaum mehr als ein halbes von den benötigten drei Dutzend, und immer noch ohne eigenes Schiff. Die Segel der Flotte des Königs würden erst in 40Tagen gesetzt werden, und uns blieb noch Zeit die Stadt nach anderen, willigen Söldner zu durchsuchen. Wir kamen überein, Männer mit Nutzen für die Truppe, oder mit Kampferfahrung zu suchen. Arminius wusste das in den Armeen des Königs die Söldenergruppen als Späher, Plänkler, Sabouteure und Marodeure eingesetzt wurden. Wir würden abseits der Hauptlinien ins Feindesland eindringen und Nachschublinien Angreifen, Gelände ausspähen und feindliche Späher töten. Falls wir tatsächlich in einer Schlacht zum Einsatz kämen, würden wir seiner Vermutung nach geschickt werden, um dem Gegner in die Seite oder den Rücken zu fallen. Oder als Linienbrecher in vorderstet Front den Sturmangriff führen.
Wir wollten daher versuchen eine möglichst Kampfstarke und möglichst unabhängige Gruppe zu formieren, die viele Fähigkeiten auf sich vereinen sollte.