Zorn und Zaertlichkeit

Tobias A.L. Rohde

von Zorn und Zaertlichkeit.

(Leseprobe 13 Seiten)

(S.76 – S.89 des Originalmanuskripts [140Seiten A4 / 12pt] )

Etwas ändert sich an der Stille der Fabrik. Etwas ändert sich langsam. Ich sehe von meinem Buch auf. Ich kann es nicht ganz erfassen. Es ist etwas Akustisches das mich irritiert. Ein Eindringling? Der Hund.

Eine Art Flüstern. Ich klappe das Buch zu und lege es weg. Ich horche. Ich schlage die Decken zur Seite und stehe auf. Diffuses Licht durchzieht die Halle der Ziegelei. Reflektionen auf den Doppelglasscheiben meiner Kammer. Da ist doch etwas. Ich kann keine Bewegung sehen, aber Ich fühle etwas. Etwas Eigenartiges. Etwas Schönes? Es ist ein Klang, glaube Ich. Etwas, das ganz und gar nicht hierher gehört. Man kann es gedämpft durch die Scheiben und die Tür hören. Ich fühle mich eigenartig. Wird das Geräusch lauter oder höre Ich es nur besser, weil Ich mich besser konzentriere? Zögerlich lenke Ich meine Schritte zur Tür und mit dem gleichen Zögern öffne Ich sie. Dumpfe Musik durchdringt die Halle, schwer zu beschreiben wie sie sich an den Maschinen bricht und seltsam fremd und fern von den Wänden wiederklingt… verzerrt und mit einem Rauschen unterlegt als käme es aus einer andern Zeit, dringt es aus dem kleinen Lautsprecher eines alten, tragbaren Kassettenrecorders, der im öligen Staub auf dem Boden der Halle liegt. Nicht unweit von der größten Maschine. Ich sehe ihn gleich, dort in dem Fleck Sonnenlicht, der durch eines der zerbrochenen Fenster hereindringt. Schritt um Schritt gehe Ich langsam, wie von der Musik gelähmt, die Stufen herunter, nähere mich dem seltsamen Klang des Recorders. Ich kenne diese Musik. Je weiter Ich gehe um so klarer wird es. Das Ohr vergisst die seltsame Entstellung durch die Akustik der Halle, sobald sich das Herz an den Klang erinnert.

Ich erstarre. Vor mir ist Sie aus dem Schatten getreten. Sie steht, schön wie eh, im selben Lichtfleck und ihre Gestalt badet in den, an den Scherben der Fenster zerschnittenen Lichtstrahlen, die ihren kondensierenden Atem sichtbar machen. Der flüchtige, weiße Nebel umspielt ihr Lächeln.
Ich gehe zu ihr. Stumm. Ich bleibe stehen und betrachte Sie. Sie steht da, ihre Hände sanft vor ihrem Schritt verschränkt, ein wenig mädchenhafter als sonst.
Ich trete an den Rand des Schattens, strecke langsam meine Finger und meine Hand hinein in das Licht, und berühre sanft ihr Gesicht, ihre Haare, ihren Kragen, ihre Schulter mit meinen lichtgebadeten Finger.
Ich will mit all meinen Sinnen wissen, sehen ob sie real ist. Sie lächelt nur. Dann nimmt Sie meine Hände in die ihren und zieht mich zu sich, in das Licht. Sie legt meine Hand an ihre Taille und beginnt zu tanzen. Langsam und seicht. Wir tanzen. So selbstverständlich wie Ich rauche und lese, mache Ich kleine, sanfte Schritte mit ihr in meinem Arm. Ich blicke Sie an. Sie lächelt und ihre Augen sind so glücklich. Doch auch sanft und ruhig und halten sich zurück mit ihrem Glück. Drängen mich nicht. Wir tanzen. Still und zu einer seltsamen Musik, die Ich liebe.
Das Stück endet und die Stille legt sich wieder an ihren gewohnten Platz in meiner Burg. Ich sehe Sie an.
Dann ziehe Ich Sie sanft zu mir und schließe Sie in die Arme. Ich rieche ihr Haar und spüre ihren Herzschlag.
Dann führe Ich Sie die Treppe hinauf und nehme Sie mit zu mir.
Wie Sie da bei mir liegt; Sie wirkt fehl am Platz… Lediglich die Stille des Ortes schmiegt sich natürlich an Sie. Doch ihr Kleid, ihre Schuhe und der Mantel auf dem Sie liegt, sauber und rein wie der Schnee draußen, hier in den staubigen Innereien meiner Festung; Ihr ganzes Äußeres zeigt, dass Sie nicht hierher gehört. Doch ihre Augen nehmen den Zauber des Ortes auf und Ich kann in ihrem Lächlen und dem Glanz sehen das Sie hier sein will. Daß Sie es nicht aus einem anderen Grund ist; sich hier sogar gefällt. Und mir. Wie die Bücher, die plötzlich da waren, wie die Konserven die Ich einfach Esse und das Wasser nach dem Ich nicht Frage, ebenso akzeptiere Ich, daß Sie nun hier ist. Ich lege mich zu ihr. Bar von Zweifel.
Sie greift zart nach meiner Hand.
Sie streicht sanft über meine Haare. Eine Berührung. Der Einsame ist wie der Verdurstende, der nicht weiß, daß er verdurstet. Erst wenn er wieder kostet von der Nähe eines anderen, wird ihm sein Leiden bewusst. In mir brandet die Schönheit dieses sanften Kontaktes auf. Das ganze Ausmaß meiner verborgenen Sehnsucht war unter der Kruste meines eingetrockneten Herzens nicht spürbar. Nun jedoch, unter diesen Tropfen von Zärtlichkeit, die den Staub von meiner Seele waschen und mich beleben, die mich mit dem Ton einer großen, rostigen Glocke zum Schwingen bringen, ist sie mir ganz erahnbar, die Sehnsucht. Ihre Berührung ist es, die mich in Richtung dieses Abgrundes stößt und mich in die Sicherheit, die Überlebensstrategie der Stasis meines gefühllosen Graus davonzutreiben droht. Wie schon zuvor. Doch Ich halte mich. Ich stürze nicht hinab in die sich öffnende Leere, die etwas in mich reißt, das sich unter der Decke der Einsamkeit verbarg. Sanft realisiere Ich, daß Ich irgendwann werde ergründen müssen, was sich dort befindet. Auch treibe Ich nicht davon, in einen Rausch, in das ungesunde Verlangen nach mehr und mehr von ihr. Atme anstatt dessen tief und erregt und gebe mich dem angenehm warmen Schaudern, dem Gefühl hin, das ihre zärtlichen Berührungen durch meinen Leib senden. Ich schmiege mich sanft an ihre Hand und gehe auf neben ihr, anstatt an ihr zu vergehen. Etwas bewegt sich in mir. Kommt zur Ruhe. Mein Atmen wird ruhiger. Ihre Hände haben mich ergriffen und mein Gesicht sanft an ihre Brust gelegt.
Ist Sie nicht Real? Selbst ein Traum dieser Art würde mir genügen. Ich frage nicht woher Du kommst oder warum Du immer wieder zu mir zurückkehrst. Ich frage nicht woher Du den Mut nimmst oder den Frieden mit dem Du mich beschenkst und umhüllst. Ich akzeptiere Dich einfach. All Deine Geschenke. All Deine Lebendigkeit. All.
Ich gebe mich dem Bewusstsein hin, wieder mit Dir vereint zu sein, wieder bei Dir zu sein und meine Wüste, meine Leere, meine verlassene Festung, mein innerstes, starres Gefängnis, in dem Ich mich ebenso sehr einsperre, wie Ich die Welt darin aussperre: all dies wieder mit Dir zu teilen und zu genießen, wie Du es mit Leben erfüllst.
Unter dem wunderbaren Regen deiner sanften Zärtlichkeiten, erblühen die Krater meines verwüsteten inneren Landes, in dem die Gewalt nun nur noch ein Gespenst ist, von dem die Kinder erzählen.

 Ich wache auf. Ich blicke Sie an. Ich lächle. Sie lächelt. Sie steht in meinem Raum. Sie wirft sich den Mantel über.
Ich will nicht, daß Sie geht.
Und soviel zu sagen. Muss Ich ihr doch erklären warum Ich damals ging, oder Sie doch zumindest um Vergebung bitten.
Ich will etwas sagen. Sie schüttelt nur den Kopf und bedeutet mir still zu sein, indem Sie sanft und lächelnd einen Finger an die Lippen legt. Sie blickt mir lange in die Augen. Bis bald.
Dann wendet Sie sich um und geht. Das Geräusch ihrer Stiefel auf den Eisengittern der Stahltreppe ist noch durch die sich langsam schließende Tür hörbar. Dann verhallen sehr leise und nur dumpf durch die Scheiben wahrnehmbar ihre Schritte in der Ferne der Fabrikhalle. Ich lasse Sie ziehen. Ich blicke Ihr nicht hinterher. Doch Ich stelle Sie mir vor, im Schnee. Wie Sie durch das tagealte Weiß, die ausgetretenen Spuren auf dem Vorhof der Ziegelei läuft. Wie ihr Haar im Winterlicht aussieht und wie Sie lächelt. Wie Sie sich noch einmal umsieht und ohne Gitter oder Mauer einen Blick auf meine finstere Burg wirft, in der Sie ein Licht gelassen hat, damit Sie wieder herfindet. Wie Sie davongeht und sich mit schönen, langsamen Schritten in der seltsamen Entfernung der leeren, schneebedeckten Straßen der Industriebrache verliert.
Ich schließe die Augen und atme, was von ihrem Duft hier in meinem Käfig geblieben. Mein Körper erinnert sich an ihre Berührungen und Ich sortiere ihre Geschenke in meinem Inneren. Die Zärtlichkeit. Die sich plötzlich frisch und fruchtbar anfühlende Innenwelt. Die seltsame Wärme, die Ich empfinde.
Dann beginne Ich meine weitere Zeit so wie bisher.
Der Tag ist besonders, aber Ich werde ihn preisen, indem Ich ihm keine Last von Besonderem aufhalse. Ich werde eine Konserve essen, etwas Lesen, in meine Grube pissen und mich irgendwann wieder hinlegen. Doch Ich werde all dies mit ihren Geschenken in meinem Inneren tun. Alles.

 Der Morgen weckt mich aus einem Schlaf, in dem Ich kleine Träume lebte. Ich erinnere mich an einen Kampf. An ein Lächeln und an Regen in der Wüste.
Zeit vergeht und das Licht ändert sich draußen und dann ist Sie wieder da. Steht in meiner Fabrik. Steht in meiner Tür und blickt mich an. Ich lege mein Buch zur Seite und lächle. Sie tritt herein. Ich lächle. Ich kann lächeln.
Wir verharren so, einige Momente, dann winkt Sie mich zu sich. Ich stehe auf. Zwei Schritte trennen mich von ihr und Ich überwinde sie ebenso mühelos wie Sie einst die Distanz zwischen uns überwand.
Dann stehe Ich vor ihr. Noch immer lächle Ich. Sie sieht mir ernst in die Augen. Prüfend? Ich folge dem Ausdruck ihrer Augen und verstehe warum Sie gestern ging und mich alleine hier ließ, warum Sie wieder kam. Sie sucht in mir nach dem Frieden. Sucht nach dem Frieden in meinen Augen. Und will wissen, ob Ich ihre Geschenke angenommen habe und in mir trage, oder ob Ich, von ihrem Besuch angetrieben, wie zuvor in die graue Leere stürzte.
Sie lächelt, als Ich mich zeige. Als Ich in mir die Erinnerung an die vergangenen Stunden barlege und mich zeige. Sie lächelt leicht. Ihr Blick zuckt hin und wieder zwischen meinen Augen hin und her. Sie sieht nach, ob Ich mich nicht in dem gerade nicht Beachteten verstecke.
Dann umarmt Sie mich. Lange stehen wir da und Sie atmet nun meinen Duft. Sie scheint mich willkommen zu heißen. Endlich wirklich Hallo zu sagen. Ich bin erstaunt über das Ausmaß an Sehnsucht, das Ich in ihr erahnen kann. Bin aber auch berührt und erfüllt von der Gewissheit, daß es Sehnsucht nach mir war.
Mir wird klar, an einem Punkt kann man das Gefühl nicht länger leugnen, das sich in einem ausgebreitet hat. Man muss sich in die eigene finstere Seele sehen und das Licht darin nicht länger leugnen. Man muss sich seine Kraft eingestehen und seinen Ursprung.
Aber wie kann Ich es benennen? Wie kann Ich, gezeichneter Mensch Ich, Aussätziger, Ich Bestie… wie kann Ich… darf Ich den Begriff Liebe verwenden, diese Vokabel benutzen für die Dinge die mir widerfahren, wenn Ich an Sie denke? Entweihe Ich nicht etwas. Und ist dieses Wort nicht schon längst eine eingetrocknete Metapher, vom Gebrauch der anderen so abgenutzt, daß sie der erlösenden Kraft, die da in mir ist, nicht gerecht werden kann?
Ich rieche ihre Haare, halte Sie, fühle ihren Körper unter meinen Händen, ihr sanftes Atmen und Ich verwerfe den Gedanken. Es ist nicht wichtig, es zu benennen. Ich gebe mich dem Moment hin und bin glücklich Sie zu halten.
Irgendwann blickt Sie auf. Blickt mir ein letztes Mal in die Augen, bevor Sie den letzten Sprung wagen wird. Ich sehe ihr Glück, aber auch ihre Suche nach dem, was sich in mir verbirgt.
Sie Küsst mich.
Ihre Hände halten meinen Rücken, fahren über meine Haare und meine Arme, meinen Hals und meine Brust. Meine Narben.
Sie Küsst mich. Und Ich küsse Sie.
Ich fühle, wie Erinnerungen ganz sanft an die Oberfläche treiben, nicht über mir zusammenbrechen. Wie Ich Sie wahrnehme und mich und Seltsamkeiten, die wie durch eine Membran aus flüssigem Glas und Tinte zu sehen sind.
Eine meiner Narben beginnt zu brennen.
Ich sehe die schattigen Konturen dreier Männer. Ich fahre zwischen sie, selbst nur ein verschwommener Schatten. Die Angst zeichnet tiefe Furchen in ihre unscharfen Gesichter. Sie versuchen zu kämpfen. Einer schlägt mir einen Stock gegen die Schulter. Laut höre Ich ein Krachen. Meine Hände zerbrechen den Stock und zerbrechen ebenso einfach den Mann der ihn hielt, werfen ihn zu Boden. Mein Fuß in seinen Eingeweiden. Eine Drehung. Schreie. Ich zerschmettere das Gesicht des zweiten mit kurzen Hieben. Ich greife die schlaffe Gestalt mit beiden Händen und schlage dessen Überreste mit Macht gegen den letzten, anstürmenden Angreifer.
Der Kampfschauplatz ist mir bekannt. Ich erahne die Gebäude verschwommen, zwischen denen die drei Gestalten zu Boden sinken. Ich sehe das Gesicht des letzten schärfer. Er kniet verletzt am Boden. Hält sich seinen Kopf, blutet wie ein Schwein über seine Kleidung. Ich sehe sein Weinen und Wimmern und erkenne das Gesicht des Mannes, den Ich im Dunkel meiner Halle, im Licht seiner Taschenlampe fliehen sah. Ich mache einen Schritt auf ihn zu.
Ich höre auf Sie zu küssen.
Ich will das nicht sehen. Ich will nicht auf das Gelände des Fasslagers laufen und die drei finden. Ich will keine Wahrheit. Aber warum verlangt dieses wundervolle Gefühl, das Sie mir gibt, warum verlangt es von mir diese Dinge zu sehen. Warum kann Ich nicht existieren, ohne es zu wissen, ohne es zu tun, ohne Erinnerung einfach mit ihr sein und glücklich sein. Warum brandet der Hass in mir hoch, wenn Sie mich berührt. Welchen Sinn hat es, daß ihre Zärtlichkeiten mich zwingen diese Bilder zu erleben…
Ich sehe wie Ich den Kopf des Mannes mit beiden Händen ergreife.
Ich kann Sie nicht länger anschauen. Ich will wegblicken und fliehen.
Die Erinnerungen hören auf. Versiegen hinter dem Damm meiner lange gesetzten Blocks. Doch Ich fühle und sehe, daß dort eine ganze Flut auf mich wartet. Ich wende mich ab und kneife krampfhaft meine Augen zusammen, presse meine Lider aufeinander als könnte Ich damit die Bilder aus meinen Gedanken drücken.
Und sie versiegen, kehren zurück in ihren Schlund. Ich blicke Sie wieder an.
Und dann formuliert sich aus der Abyss aller geleugneten und vergessenen und unliebsamen Erinnerungen ein Grund für die Flucht vor allem… angezogen von dem Erkennen eines Gefühls und der Wichtigkeit, die Sie nun zu haben scheint. Wie viel Sie mir bedeutet, daß es überhaupt etwas gibt, das mir was bedeutet: es scheint Sakrileg zu sein, gegen tief in mir verborgene Gebote, die dort gewartet haben und mich auch bewegten, und gegen eine Entinität in mir, die dahinter gefangen, noch hinter den Bildern meiner Erinnerung verborgen ist.
Und die Erschütterungen, die Beben, welche ihre Nähe in mir hervorgerufen hat, senden mir die verbotenen Bilder. Visionen meiner Taten.
Denn was Ich selbst nicht mehr zu berühren und zu erreichen vermag, Sie hat Zugang dazu. Sie berührt mit ihrer Seele auch den Teil von mir, der diese Dinge tut; der schlägt und mordet und sich der Gewalt hingegeben hat. Der süchtig ist nach der befreiten, hemmungslosen Bestie in mir. Und das sanfte und unendlich gute Gefühl der Liebe, das sie dorthin sendet, ängstigt und scheut das Biest und macht es rasend vor Angst und Zorn.
Und mit dem Wunsch Sie zu berühren, kommt auch die Vision des Zuschlagens, ihrer gebrochenen Lippen und blutigen Wangen… Es tut mir weh, Sie anzusehen. Zuviel Angst.
Aus meiner substanzlosen Vergangenheit und einer selstsamen Unbestimmtheit steigt bei dem Betrachten ihres Gesichtes und den unformulierten Gefühlen dabei eine Erkenntniss in mir auf: Ich verletze jene, die mir etwas bedeuten, meine Zuneigung ist ein Fluch, Ich sein Exekutor und Bote, zerstöre alles dem Ich einen Wert beimesse… meine Zuneigung ist ein Urteilsspruch.
Sie ist nicht sicher davor.
Es tut mir weh, Sie anzusehen. Zuviel Angst vor der Entlohnung meiner Gefühle… der Preis ist zu hoch… Sie muss gehen. Ich muss Sie wegschicken.
Ich will weinen. Schmerz. Tiefsitzender Verlust. Die Verdammnis über der Erkenntnis meiner eigenen Dämonen. Sie wollen sich endlich befreien. Will weinen. Nicht zuschlagen. Nichts zerstören. Nur weinen. Doch Ich kann nicht. Das Tor, das Ich öffnen müsste, um meine Tränen zu erlauben, hinter ihm wartet die Bestie. Der Verlust der Kontrolle heißt die graue, grässliche Bewusstlosigkeit und die Gewalt meines Zustandes. Darf nicht weinen.
Und Ich sehe ihre Augen, die suchen nach mir, suchen nach dem, was Ich ihr nicht geben will und kann. Will mich öffnen vor ihr, ihr zeigen was in mir ist. Will den Abgrund in mir öffnen und hoffen, daß an dessen Grund nicht nur die Bestie wartet, sondern auch ein kleiner Junge, den Sie sehen darf. Sie will hineinblicken. Ich fürchte mich.
Doch Ich fühle, wie mich der geöffnete Schlund in mir in seinen Bann zieht und Ich langsam hineinstürze. Wie der Versuch mich ihr zu öffnen immer endet in einem Sog in das grässliche Grau.
Aber Sie hält mich fest. Sie hält mich, als der Zustand droht über mich zu kommen. Sie küsst mich. Leidenschaftlich.
Die Bestie entkommt fast, will sich wehren gegen die Zärtlichkeiten, vor denen sie sich fürchtet, die sie zu zerstören drohen. Will Sie vernichten, Sie und ihr stummes Lächeln und ihre verstehenden Augen, deren tiefes Blicken mich droht auseinanderzureißen. Da ist er, der Hass.
Doch dann spüre Ich, wie Sie meine Hand auf ihre Brust drückt. Das feste und weiche Gefühl dieses schönen Runds unter meiner Hand, in deren Inneren Ich sanft und überdeutlich verspüre wie sich die zarte Erhebung ihres Nippels durch ihre Bluse drückt.
Stille in mir. Für eine Sekunde nur unser beider Atem. Dann fühle Ich sie wieder.
Hinter der Schönheit des Gefühls kauert meine Gewalt in einem finstern Winkel. Wartet. Zum Sprung bereit. Lasst mich. Alle beide. Ich ertrage diesen Kampf nicht.
Dann setzt die Bestie zum Sprung an. Ich fühle es. Ich will die Frau vor mir. Will Sie zerschlagen.
Sie blickt mir in die Augen und fasst sanft in meinen Schritt. Küsst mich wieder in aller Leidenschaft. Und Ich weiß nicht, was passiert.
Die Bestie wendet sich um und gegen mich, muss erst mich davontreiben.
Doch ihre Küsse, ihre Hände auf mir, ihre Brust unter meinen Fingern; sie halten mich hier, reißen mich immer wieder zurück. Meine Jacke fällt zu Boden. Ihre auch. Ich höre es nur. Ich fühle nichts als das Grau, das gegen mich brandet und ihre Lippen und ihre Hände, die mich gemeinsam hier halten. Ich sehe Sie an. Ihre Augen sagen mit all der Ausdruckskraft, die Sie hat nur eines. Ihre Augen sagen: Nimm Mich! Und Ich sehe, wie ihre Leiblichkeit meine sexuelle Begierde weckt, fühle wie Sie sich zwischen mich und den Zustand wirft. Das ist Ihr Verstehen. Aber kein Opfer. Wir sinken auf die Matratzen. Gefangene. Kein Entkommen mehr aus dieser Leidenschaft. Wir sprengen die Fesseln unserer Kleider und geben uns einander hin. Das ist ihr Verstehen. Nicht ihr Opfer. Denn Sie liebt mich mit allem, was Ich bin. Und Ich nehme es an.
Ich lasse los. Ich lasse es Ihr. Sie hält das Tier im Zaum.
Mehr und mehr vergeht die Wirklichkeit um uns… biegt sich um die Kraft unserer Herzen und beugt sich vor dem wunderschönen Bild unserer Körper.
Ich fühle Sie um mich: Ihre rhythmischen Bewegungen auf mir und das heiße Brennen Ihres Leibes so nah bei mir.
Ich spüre etwas tief in mir aufsteigen, heraufkriechen aus dem verborgenen und über mich kommen. Spüre, wie Sie auf mir wogt, davongespült von der gleichen Leidenschaft, die mich so haltlos macht und in deren Sog mein eigenes, zerbrechliches Bewusstsein in die Tiefe gezogen wird, aus der Ich den gewaltigen, bestialischen Willen aufstiegen spüre. Ich spüre, wie mein Blick schärfer, mein Atmen heftiger wird. Fühle wie sich etwas in… wie Ich. Zu spät. Fühle den Zorn. Zorn, Zorn, Zorn. Während Ich konsumiert von ihm werde und es mein, vor Leidenschaft schutzloses Ich, mühelos in den Hintergrund stößt.
Und dann ist es da, ist wach, überwältigt mich und nichts als Sie ist da um mich herum, an das es branden könnte und meine Angst um Sie zerbricht unter der Gewalt des Zustandes…
Des Zustandes, in dem Ich jetzt bin, in dem Ich sonst tue was Ich tue und mich der Gewalt hingebe.
Und hilflos sehe Ich zu, wie Ich mich unter Ihr aufbäume und nach Ihr greife. Spüre, wie sich meine Finger fest um Ihren Nacken legen und Sie ihn aufstöhnend um meine Hand biegt. Spüre, wie sich all meine Muskeln brennend spannen und mein Mund sich animalisch öffnet. Wie Sie mich hält, umkrallt und vor Erregung in meiner Schulter verbeißt.
Muss sehen wie animalisch… hilflos in Atem gehalten…
Und kann sehen, wie Ich wieder, friedlich und wie gezähmt hinabsinke, als es vorbei ist und Ich Ihr nichts, nichts nichts getan habe… nicht ein Haar…
Und spüre wie Ich zurückkehre als Sie auf mich hinabsinkt wie eine Decke aus heißem Fleisch und Blut.
Und küsse, leise zu weinen beginnend, Ihr die köstlichen Schweißperlen von den Schultern. Benetze meine rauen, unbeholfen Lippen mit dem Leben versprechenden Elixier, das salzig von Schweiß und Tränen auf ihnen brennt.
Und fühle den Frieden wieder, der mich aufatmen lässt. Der es besiegt hat ohne es einzufangen oder niederzuzwingen. Und lächle, Sie haltend und ihr zartes Beben spürend, wieder mit Ihr atmend im Nexus des verhallenden Aktes…
>>Ich liebe dich<<
Und Ihr Lächeln… ihr phantastisches, unvergessliches Lächeln verrät mir in diesem Moment, wie man einen Menschen glücklich machen kann… mit der Wahrheit, der gesagten und ganz gespürten Wahrheit, dieser drei Worte…

Ich wache mehrfach auf. Ich betrachte Sie. Manchesmal ist auch Sie wach und wir sehen uns an. Bilder vermischen sich. Die Kerzen, die Ich anzünde, damit die Dunkelheit der Nacht mir ihr Bild nicht rauben kann; in ihrem Licht leuchten und flackern unsere Körper. Ihr stilles Lächeln. Die Lippen, mit denen Sie nicht spricht, mir aber sanft die langsam fließenden Tränen von den Lidern küsst. Ihr ganzer, wundervoller Leib.
Und in mir, das seltsame, das so ungewohnte, aber auch sehr gute Gefühl der wachen, aber friedlichen Bestie. Ich fühle, wie auch sie ihren Teil an mir hat, wie auch sie, auf ihre ganz eigene Art den Anblick, der neben mir ruhenden Frau zu schätzen weiß. Nach wie vor ist mir nicht ganz erfassbar, wie es gekommen ist, daß sie mich nicht verdrängen musste. Für jetzt ist es gut. Für jetzt muss Ich nicht mehr wissen. Es reicht mir zu spüren. Mich seltsam frei und eigenartig vollständig zu fühlen. Angstfrei. Für den Moment ist es gut. Und Ich weiß, wem Ich dies zu verdanken habe. Und Ich will bei ihr bleiben.
Und Ich schlafe neben ihr in Frieden.
Ich erwache in ihrer Umarmung. Meine Hand findet wie von selbst ihr Haar. Ich streiche darüber. Sie schlägt die Augen auf und blickt mich an. Sie küsst mich sanft.
Ich lächle. Sie drückt sich an mich und hält mich noch einmal ganz fest, bevor Sie sich von mir löst, die Decken zur Seite schlägt und sich aufrichtet.
Ich verweile einen Augenblick, in der Betrachtung ihres nackten Leibes. Wie Sie in dem Halblicht der Kammer steht, sich streckt und auf den Maschienenfriedhof hinter der Scheibe blickt.
Dann wendet Sie sich um und lächelt mich an. Sie beginnt, ihre Kleider zusammenzusuchen. Wirft ihre zerrissene Bluse achtlos beiseite und steigt behende zwischen die dünnen Stoffbahnen ihres Schlüpfers, den Sie aus meiner kleinen Bücherkiste geangelt hat. Ich betrachte, wie das Kleidungsstück ihren Po umschließt und lächle ob des sanften Knurrens das Ich mit dem Trieb in mir spüre, genieße die schöne Mischung zwischen profaner Begierde und lustvoller Ästhetik, die dieser Anblick in mir weckt.
Dann schlage Ich die Decke ganz zur Seite und stehe selbst auf, ziehe mich an.
Immer wieder blicke Ich dabei verstohlen zu Ihr rüber, um Sie zu betrachten und ein paar Mal begegnen sich dabei unsere Blicke.
Ich setze mich schließlich wieder auf die Matratze, um meine Stiefel zuzubinden. Sie ist schon in ihre geschlüpft.
Einige Sekunden von Stille vergehen, während Ich meinen Schnürsenkeln eine Schleife abringe. Dann blicke Ich zu ihr auf. Sie lächelt und wirft sich ihren Mantel um.
Ich will nicht, daß Sie geht. Ich möchte Sie gerne hierbehalten. Doch das geht nicht. Ich weiß.
Sie blickt mich auffordernd an.
Will Sie, daß Ich mit ihr gehe? Wohin. Zurück in die Wohnung, von der Ich bereits glaubte das sie nichts als eine Fieberphantasie von mir sei? Zurück in die belebteren Teile der Stadt? Zurück zwischen die anderen. Die Menschen, die mir mit jedem Schritt nur zeigen können, was mit mir nicht stimmt. Für die Ich nichts übrig habe. Aus irgendeinem Grund. Und die Ich auch nicht vermisse.
Zurück dahin, wo Ich Angst habe, vor mir selbst?
Meine Burg und meine Höhle verlassen und aufgeben was Ich hatte, die Wochen und Monate, die Momente, sogar ganze Tage zusammenhängender Erinnerungen… von Wirklichkeit?
Ich glaube nicht, daß Ich schon soweit bin.
Ich schüttle einmal den Kopf. Aber Ich denke, Sie sah es auch schon in meinen Augen. Sie nickt einmal kurz. Und auch nur einmal kurz ist da Enttäuschung an ihr zu sehen.
Dann blickt Sie mir tief in die Augen, schließt die Lider für einige Momente und öffnet sie wieder. Ein warmer Blick erfasst mich, dann einmal flüchtig den ganzen Raum, dann wieder mich.
Bis bald.
Sie nimmt die Klinke in die Hand, lächelt mir nochmal zu, öffnet die Tür und geht. Und wieder warte Ich, bis Ich ihre Schritte verhallen höre und male mir aus wie Sie ins Freie tritt und sich durch den Schnee davon macht. Bis bald…

Woher weiß Ich, daß du Real bist? Daß dein Fleisch, dein Lächeln, deine Zärtlichkeit und deine so exakt auf mich abgestimmte Seele kein Hirngespinst meiner eigenen, verzweifelten Vorstellungskraft ist?
Und wenn, wenn du nur Illusion bist, warum bist du dann stumm? Habe Ich mein Unterbewusstsein so sehr gequält, das es nicht mehr mit mir spricht?
Es fällt mir leicht, Sie als wahr zu akzeptieren, als Sie das nächste Mal aus dem schneebedeckten Morgen auf den Hof der alten Ziegelei tritt.
Ihr Lächeln, ihre Haare, mit denen derselbe sanfte Wind auf ihrer Stirn spielt, der auch ihren Mantelschoß bewegt, dort, wo ihn ihre Hände in seinen Taschen nicht zügeln.
Ihre Schritte durch mein Reich bis hin zu mir. Ich barbrüstig in der Kälte des Morgens. Ihre Sekunde der Reglosigkeit, des Betrachtens, des Blickens. Die Umarmung. Mantelstoff auf meiner Haut. Der Kuss. Alles wahr. Wahr in mir und um mich. Kein angelaufenes Polaroid, keine verblichene Notiz meiner kranken Phantasie, der meine Vergangenheit vielleicht entspringt, sondern Gegenwart in ihrer reinsten, schönsten, zeitlosesten und wahrhaftigsten Form: Sie!

Kann Sie nicht bleiben? Hier. Sich mit mir einschließen, die Prinzessin sein in meinem verwunschenen Schloss? Wieder diese Archaik. Trotzdem:
Ich will nicht, daß Sie geht… Nie mehr. Will Sie hierbehalten… doch das geht nicht.
Aber mitgehen… zurück dahin wo Ich Angst haben muss? Aufgeben was Ich hatte: die Wochen… Monate? …Momente und ganze Tage, zusammenhängende Erinnerungen… Wirklichkeit… Hier… das Hier aufgeben?
Für Sie? Ja. Für mehr Wirklichkeit als ein zusammenhängendes Treiben. Für die Früchte der Zweisamkeit, für jemanden der das vergehen der Zeit und die Erinnerungen bezeugt und für den Sieg über die unterschwellige, die zwar versteckte und geleugnete, aber nie verschwundene Sehnsucht.
Nur die Angst vor einer Blase, das Risiko des anderen und des nagenden Gefühls wegen, das dir zuflüstert, daß es nur Illusion ist, nur deswegen verbleibt ein Sicherheitsbedürfnis. Und es kämpft um seine Vorherrschaft, unterstützt von einem Gefühl, einem Gedanken, einer Erfahrung, die sich auf seine Seite stellt: Es hat funktioniert hier. Ich hab funktioniert, hier.
Ich blicke Sie an. Blicke Sie an, mit all dem in mir und Ich sehe, wie Sie sieht;
Du kannst deine Höhle behalten, sagen ihre Augen. Du kannst, wann immer du willst, in deine Burg zurückkehren. Doch du wirst mich nicht hier einschließen, in irgendeinem Turm.
Ihre Augen wollen mir nichts nehmen, wollen nichts fordern, als den Versuch mitzukommen.
Sie reicht mir eine Hand, doch will Sie keinen Schlüssel. Hier bleibt mein Rückzugsort, ob Ich ihn nun brauche oder nicht.
Natürlich. Natürlich bin Ich hier nicht wirklich sicher gewesen. Im Gegenteil. Nur weiter weg. Weiter weggesperrt von allem. Kein wirklicher Ausweg. Aber nun spüre Ich ihn. Mut vorwärts zu gehen kommt aus dem Unwillen ohne Sie zu sein. Blumt zu dem Willen, mit ihr zu sein und zu versuchen… .
Und Ich gehe mit ihr. Ich nehme die Hand, die Sie mir reicht. Ich nehme nichts mit, als das Buch, das Ich in meine Jackentasche stecke. Sie lächelt. Dann gehen wir gemeinsam. Ich höre, wie unsere Schritte in der Ziegelei verhallen. Wir treten ins Freie und folgen ihren alten Spuren auf die Straße. Ich stelle mir meine Angst vor, wie sie zurückbleibt. Wie sie sich vorstellt, wie Ich und Sie uns mit langsamen und schönen Schritten in der seltsamen Entfernung der leeren, schneebedeckten Straßen der Industriebrache verlieren.
Und das tun wir. Wir folgen einem unbestimmten Pfad. Gehen den ganzen Weg zu Fuß, am Fluss entlang, durch die Viertel, an mir unbekannten Häusern vorbei und bis zu ihr.
Wir halten uns bei den Händen. Den ganzen Weg.
Bis wir bei ihr durch die Eingangstür treten.
Ich erinnere mich vage an dieses Treppenhaus. Ich erinnere mich sehr gut an ihre Wohnung. Alles ist da. Alles ist so, wie Ich mich erinnere. Nichts scheint Illusion gewesen zu sein.
Sie lässt ihre Stiefel bei der Tür. Sie hängt bereits Mütze, Mantel und Schal auf den Ständer neben dem Eingang, während Ich noch meine Stiefel aufbinde.
Ich blicke auf, als Ich ihre Hosen auf den Boden fallen sehe. Das Weiß ihrer Unterwäsche scheint auf dem Stoff der dunkleren Hose. Sie steht da, nur in Pullover und T-Shirt. So schön. Sie lächelt und geht ins Bad.
Ich schlüpfe endlich aus meinen Stiefeln und betrachte abwechselnd und unschlüssig ihre Beine, die durch den Spalt der Badezimmertür sichtbar sind und das sehr anregende Bild ihrer Unterwäsche und Hose auf dem Boden.
Sie macht einen Schritt zur Seite und ihre Beine und auch das wundervolle Stück Po, das unter dem Pulli zu sehen war, verschwinden im Bad.
Ich höre, wie Wasser beginnt, in die Wanne zu laufen. Das Klappern des Stöpsels.
Ich sehe mich unbeholfen um. Weiß nicht so richtig, was tun.
Sie steht plötzlich in der Badezimmertür. Ganz nackt jetzt. Sie sieht mich an. Dann lacht Sie. Glockenhell. Sie macht einen Schritt auf mich zu und beginnt meine Jacke auszuziehen, macht mein Hemd und meine Hose auf. Dann macht Sie einen Schritt rückwärts, verspielt den Zipfel meines offenen Hemdes loslassend.
Etwas in mir sträubt sich dagegen mich auszuziehen. Ich blicke auf meine offene Hose, auf ihre Unterwäsche auf dem Boden, auf ihre nackten Füße.
Was ist das? Meine zarte Angst, Scheu eher, so anders und so weit weg von den Instinkten die mich in den Regen jagen, vom Rennen, von der Rohheit von Schweiß und Blut… ein letzter Rest Zivilisation oder ein neu Erblühen einer lang vergessenen Wertewelt von der Ich doch mal ein Teil war? Sie scheint es niedlich zu finden.
Mit einem Lächeln verschwindet Sie hinter der immer noch ein Stück geöffneten Tür des Badezimmers.
Ich verweile kurz in meiner seltsamen Scheu. Liegt vielleicht auch an meinem Äußeren, meinen nicht so ausführlichen Wäschen an der Tonne und den jeden Tag getragenen Klamotten. Dem Geruch der alten Decken, der mir wahrscheinlich anhaftet und dem verfilzten, strähnigen Haar. Meine Scham mag im Vergleich mit dieser sauberen, reinen Haut ihres Hinterns begründet sein. Oder in dem Weiß ihrer Handtücher? Aber ihr Blick, ihre Gesten… Sie liebt mich auch dreckig, hat mich vielleicht gerade dafür auch in der Fabrik geliebt und kam dorthin. Es verprellt Sie nicht, sondern gehört auch zu mir. Und so, wie Sie bei mir schamlos in den alten Decken lag, so sollte Ich hier stehen und, mit einem sauberen Handtuch konfrontiert, nicht weichen.
Ich stelle mir meine Angst vor, die Ich in der Zieglei zurückgelassen habe, stelle mir vor, wie sie sich unter meinen Decken verkriecht. Was glaubst du, frage Ich mich, warum Sie dich erst in ihr Bad einlädt?
Dann lache Ich selbst laut auf. Ein rauer Klang, den Ich, glaube Ich, noch nie gehört habe.
Ihr erstauntes Gesicht taucht hinter der Badezimmertür auf.
Ich blicke Sie kurz an, dann werfe Ich meine Überbekleidung auf die Couch und lasse meine Hosen als Haufen neben ihren auf dem Boden zurück.
Nackt trete Ich durch die Tür. Sie schließt sie hinter uns, und umarmt mich von hinten. Ich sehe meinen Körper im Spiegel, sehe meine Narben und ihre Arme, ihre Hände und Finger darauf. Ihr offenes Haar hinter meinem Rücken. Ich spüre, wie Sie mir ihre Lippen auf die Haut drückt, wie Sie meinen Geruch aufnimmt und ihre Nase an mir reibt. So vertraut.
Dann wende Ich mich um. Ich nehme Sie in den Arm. Ich ziehe Sie auf die Zehenspitzen und drücke ihren nackten Leib gegen meinen und küsse Sie zärtlich. Ihre Lippen schmecken nur nach ihr. Ihre Brüste drücken auf meine.
Ich lasse Sie los und bin noch einmal mit meiner eigenartigen Scham konfrontiert, als Ich meine Erektion spüre. Ich bin kurz mit dem Gefühl überfordert. Sie scheint es zu sehen und lächelt. Ihre Augen fragen mich, warum Ich mich schäme. Ein nicht nur verspieltes Tadeln mischt sich in ihren sonst verständnisvollen Blick. Das Gefühl der Scheu in mir ist immer noch sehr stark und Ich bin kurz davor, mich abzuwenden.
Da tritt Sie entschlossen an mich heran. Sie umfasst mich vorsichtig mit ihren Fingern. Kommt noch näher und streift mein Geschlecht sanft und langsam über die zarte Öffnung des ihrigen. Ich halte mich an der Duschkabine fest, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, als das Gefühl der intimen Berührung meine Knie überwältigt. Sie drückt mich sanft, aber immer noch sehr entschlossen gegen die Kabinenwand, setzt ein Bein auf den Rand der sich langsam mit heißem Wasser füllenden Wanne, das andere neben meine Füße und senkt sich auf mich. Meine immer noch an der Kabinentür klammernde Hand spannt sich. Ihre Hand, auch nach Halt suchend, legt sich ebenso fest auf meine. Ich stemme die Füße in den Boden, drücke meinen Rücken gegen die Duschkabine und halte mit meinem Arm, den Ich um ihre Hüfte lege, ihren Oberkörper. Sie blickt mir in die Augen. Sie verscheucht die Scham, freut sich über meine Erregung, freut sich über meinen Körper, freut sich mit mir an seinen Geschenken und auch an seinem Verlangen. Sie küsst die letzten Reste meines Zögerns fort und bewegt sich dabei sanft auf mir. Sie reibt ihren ganzen Körper zart an meinem und geht in seichten Wellen über mir nieder. Ihre Hand verlässt die meinige. Sie greift mit beiden Händen meinen Kopf und blickt mir tief in die Augen. Habe Ich verstanden? Ist meine dumme, unnütze Scham verschwunden? Freue Ich mich mit ihr an unseren Körpern, an der weichen Festigkeit von Fleisch und der Wärme und seidenglatter, narbenrauer Haut, an der Lust die wir empfinden und zu der uns die Scham nicht nützt?
Sie sieht es in meinen Augen. Dann lächelt Sie. Küsst mich noch einmal auf Stirn, Nase und Lippen und geht sanft von mir. Ja, Ich habe verstanden. Erfahren.
Sie steigt mit den Füßen in die heiße Wanne. Ich erhole mich noch von den Gefühlen, die von ihren Berührungen und dem Moment unserer Vereinigung her weiterhin in mir branden. Dann richte Ich mich auf, lächle in mich hinein und schätze die Stärke dieser Frau. Ich setzte meine Füße zu ihr in die Wanne. Das Wasser ist sehr heiß. Für einen Moment denke Ich, es verbrüht mich. Es ist ein angenehmer Schmerz, der sich bald in entspannender Hitze auflöst und meine Schenkel hinaufwandert. Sie hat sich bereits vorsichtig in das halbhohe Wasser gelassen und Ich mache mich daran, es ihr nachzutun.

Wir sitzen eine Weile voreinander in ihrer ziemlich großen Wanne. Irgendwann greift Sie hinter sich und taucht einen großen, gelben Schwamm und ein Stück Seife in das dampfende Wasser. Sie lehnt sich vor und beginnt, meine verkrustete Haut mit dem heißen Schwamm zu waschen.
Ich spüre, wie mein Körper befreit wird von den Zeugen meines Einsiedlerlebens in meiner Burg. Spüre wie Seife und Schwamm und ihre zarten und geübten Hände alles von mir nehmen. Auch im Inneren. Ich scheine anzukommen.
Als Sie mich genug gewaschen hat, legt Sie den Schwamm zur Seite, zieht den Stöpsel und dreht den Duschkopf auf.
Wir duschen. Sie seift mich noch einmal ein, massiert mir Shampoo in die Haare und küsst mich. Ich fahre mit dem Schwamm über ihren Körper und zeichne Schaumspuren auf ihre begehrenswerten Kurven, ihre Haut, von der Ich meinen Blick kaum lassen kann. Sie spült mir die Seife aus den Haaren, die in grauen Sturzbächen an mir herunter rinnt und im Abfluss verschwindet. Ich brause ihr den Schaum vom Leib und beobachte, wie das Wasser auf ihre Haut prasselt, in Kaskaden zerbricht und an ihr herunterperlt. Dann hockt Sie sich hin, verschließt den Ablauf der Wanne wieder und zieht mich zu sich. Sie drückt meinen Rücken sanft gegen die Rückwand der Wanne, dreht sich zu mir und legt sich zwischen meine Beine und auf meine Brust. Sie lässt heißes Wasser aus dem Duschkopf auf ihre Brüste und ihre Schenkel und über uns laufen, das sich um unsere sauberen Körper in der Wanne sammelt, bis Sie den Hahn schließt.
Ich genieße die Wärme, ihr Gewicht auf meiner Brust, ihre Haare, die um mich im Wasser treiben. Ich genieße meine Nacktheit und die besiegte Scheu.
Ich schließe meine Arme um Sie. Ich schließe die Augen und höre dem Wasser zu, das unsere atmenden Körper seicht in der Wanne bewegen.

Wir liegen in den weißen Laken ihres Bettes. Immer noch nackt. Entspannt und Still. Ich betrachte Sie.
Sie hat einen wunderschönen Busen. Makellos. Meine Hand gleitet darüber und fühlt sich so sanft an. Das ist es was Sie mir gibt. Diese Friedfertigkeit. Dieses gewaltlose Zuhause. Ein zartes Streicheln ihrer Wangen. Ein Kuss auf die Stirn. Mein Kopf sinkt auf ihre Brust hinab. Ich spüre ihren viel zu ruhigen Herzschlag. Ich habe nie ein Herz so still schlagen gehört. Ich bin so zufrieden, so sorglos, so jenseits aller Blutlust. Ich bin … verliebt. Ich liebe und werde geliebt. Mein Atem fährt über ihre Haut. Ich kann spüren, wie die Wärme von ihrem Körper ausgeht und mich in den Bann schlägt. Was könnte Ich jetzt fühlen. Wie sehr sehnte Ich mich nach diesen Stunden, all die Zeit. Sehnte mich nach Nähe und dem ruhigen Schlag eines anderen Herzens an meinem Ohr.

Ein Grund, sich nicht vor dem Einschlafen zu fürchten und sich auf das Erwachen zu freuen.

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