von Zorn und Zaertlichkeit

Produktionsstatus: Abgeschlossen (140Seiten A4 12Pt  Sylfaen)
Verlagsstatus: Unveröffentlicht
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Exposé zu der Novelle mit dem Arbeitstitel von Zorn und Zaertlichkeit

 Dieses Buch ist eine Geschichte über die Menschlichkeit, die Liebe und das Wiederfinden verlorener oder nie besessener Werte und Erinnerungen. In Anderen?
Die Perspektive ist die des Ich-Erzählers, der selbst nicht weiß, wer er ist oder woher er kommt, dem die Erinnerung fehlt an Früher, an Gestern, an die letzte Nacht oder die Wochen zwischen Ereignissen.
Er ist Fragment, ist Anteil einer zerfaserten Persönlichkeit; hat bewusste Phasen, in denen er erzählt und an die er sich auch später zu erinnern vermag. Wenn aber etwas anderes, etwas vermutet Finsteres in ihm die Macht übernimmt, verlässt er die Erzählung, gemeinsam mit seinem Bewusstsein, verlässt die logischen Zusammenhänge und den Horizont des Erinnerbaren; springt in seiner Zeit nach vorn, die Lücken nur manchesmal überbrückt von vagen Traumbildern… Wir erwachen mit ihm, in sich, und orientieren uns neu, während er sich neu orientiert, voller Furcht vor der grauen Leere der verlorenen Zeit.

So springt man mit ihm durch die Geschichte voller Unmittelbarkeit. Alles ist. Ist jetzt. Wenn ihm Zeit fehlt, fehlt dem Leser die Zeit.
Und ohne Bezug zu den Dingen, zu sich selbst oder zu der Kontinuität von Zeit, ist sein Leben eine Reduktion der Existenz auf das Jetzt, im Kontext nicht der bewussten Erinnerungen, sondern vielmehr im Kontext einer Ansammlung von überlichteten Erinnerungsphotographien, die er manchesmal gar nicht beachtet, andernmal verzweifelt versucht zu sortieren.
Er erzählt im Präsenz, in unmittelbarer, zuweil abgehackter Gedankensprache, verfällt jedoch auch hin und wieder in einen poetischen, bisweilen mit archaischen Metaphern bestückten Ausdruck, über den er sich selbst wundert?
Erzählt, wie er von einer Frau entdeckt wird. Einer Frau, in die er sich Begegnung für Begegnung verliebt. Einer Frau, die nicht spricht oder zumindest nicht mit ihm spricht. Die er sich vorstellt? Die real ist? Die ihn von Früher kennt? Fragen, welche ihn beschäftigen, die aber nicht beantwortet werden.
Er durchlebt, in seiner Unmittelbarkeit und der dazu passenden, wechselhaften Sprache, die Annäherung und Entfremdung, die Neuentdeckung seiner selbst in der Liebe und den damit verbundenen Zuständen, und lernt das Biest, das er in sich vermutet, seine Aggression und Triebhaftigkeit und seinen Zorn nach und nach mit der Angst und Empfindungsfähigkeit seines eingeschüchterten, menschlichen Ichs, seiner Zärtlichkeit, zu vereinen: über und durch die Liebe zu dieser Frau und dem letztendlichen Verzicht auf die Fragen nach dem Vorher und Woher. Selbst auf die Frage nach dem Wohin und der nach Wirklichkeit wird am Ende bewusst, zärtlich verzichtet.
Immer wieder berührt ihn diese Frau so tief, dass sein Bewusstseinsfragment allein nicht ausreicht. Immer wieder greift sie sanft an seinen Konstruktionen und Sicherheiten, seinen Abwehrmechanismen vorbei und berührt ganz sein zerbrochenes Herz.
Dies beschwört Bilder in ihm herauf, aus einem instinktbestimmteren, dunkleren Leben auf der Straße. Bilder von Gewalt. Und auch wenn er keine bewussteren Erinnerungen an seine eventuellen Taten hat, fühlt er sich als Täter, vermutet etwas Gewalttätiges, Bestialisches in sich, vor dem er sich fürchtet.
Immer wieder reißen ihn diese Erfahrungen in ein Grau, aus dem er getrennt von ihr erwacht. Bis Sie ihn wieder findet, oder er zurückkehrt zu ihr… Denn die Liebe bleibt. Bleibt in der Introspektive der Erzählfigur, in der Wahrnehmungswelt des Ichs, bleibt immer in Zweifel und doch die einzige Wahrheit, am Ende.
Alle Charaktere und Orte bleiben namen- und zeitlos, werden nur archetypisiert. Dies ermöglicht dem eigenen Denken, den eigenen Erinnerungen, die unauffälligen Leerstellen zu füllen.

Handlungsablauf:

 (Seite 1 – 5) Anfang voller innerer Eindrücke, Gewalt und Persönlichkeit… Verworrenheit.
Erstes Erwachen des Literarischen Ichs (Er) macht uns auch mit seiner Desorientierung vertraut, die ihm auch nichts neues ist.
Um in seinen zerrissenen Kleidern nach Hause zu kommen, stiehlt Er einen Wagen, beim Ausparken fällt ihm eine Frau auf.
Beim Abstellen des Wagens findet Er auf dem Rücksitz ein Portemonnaie, in dem das Bild dieser Frau (Sie) ist.

(Seite 6-11) Wir erhalten einen Einblick in das alltägliche Leben des Protagonisten.
Er lebt in einer relativ einfachen, sogar heruntergekommenen Wohnung irgendwo in der Stadt (die so wie Er und Sie keinen Namen bekommt)
Er scheint sich viel zu fürchten, hat eventuell Depressionen oder andere Störungen. Es ist ihm und damit auch uns unklar.
Ein Klingeln an der Tür lässt ihn aufschrecken, da noch nie jemand bei ihm geklingelt hat, seit er hier wohnt.
Er sieht aus dem Fenster und in die Augen der Frau
Sie geht. Er wundert sich und stellt die Frage die uns durch das Buch begleitet: wer ist Sie?
und fürchtet sich. Ein Zustand kommt über ihn. Filmriss.

(Seite 12-21) Er erwacht und glaubt Sie vor Angreifern in einer Gasse zu retten. Visionen von Gewalt. Sie umarmt ihn. Filmriss.

Er erwacht erneut zu hause und erkennt an den Spuren in seiner Wohnung, dass Sie wirklich da war, es aber jetzt nicht mehr ist.
Er kehrt in seinen Alltag zurück und wird sich jetzt seiner Einsamkeit bewusst.
Er versucht die Erinnerungen zu vergessen.
Dann reißt ihn die Klingel seiner Tür wieder aus dem Alltag.
Es ist Sie und ohne viele Worte küsst Sie ihn.
Dies reißt ihn wieder davon.

(Seite 22 -30) Er erwacht an einem Punkt der Stadt, in der Pflege von einem alten Mann, vor dessen Ladengeschäft Er zusammengebrochen ist.
Aus Angst davor, dass Er ihr etwas getan hat, rennt er den Weg nach Hause. Er erwartet Täter geworden zu sein. Und ist erleichtert, dass Sie nicht dort liegt. Aber Sie hat ihm eine Nachricht hinterlassen. Einen Kuss (aus Blut/Lippenstift?) auf einem Notizzettel, und eine Adresse.
Er hat Angst davor, dass jemand in sein Leben tritt, Angst vor sich vor allem. Er beschließt zu verschwinden, packt eine Kiste und macht sich auf den Weg. (Es ist Herbst)
Er findet in seiner Jacke einen Kalender in dem jemand in seiner Handschrift Notizen gemacht hat. Er wirft ihn weg. Und hat erneut einen Filmriss.

(Seite 23 – 55) Er kommt in ihrem Treppenhaus zu sich. Er betritt ihre Wohnung und küsst Sie. Er hat eine Längere Phase kontinuierlicher Zeit bei ihr, lernt Alltäglichkeit kennen, Essen, Duschen, Musik, Tee am Nachmittag, gemeinsam im Bett liegen… Aber Sie spricht nicht mit ihm. Weil Sie nicht will oder weil Sie nicht kann wird nicht erklärt…
Es kommt zu einer ihm unangenehmen Situation. Und Er zerbricht erneut, an ihrer stummen Eindringlichkeit, ihrer Sanftheit, auch ihrem Mut mit dem Sie ihm begegnet. Filmriss…

(Seite 56 – 85)
Er erwacht an einem neuen Ort, den er erst langsam in Traumbildern begreift. Es ist eine alte Ziegelei in einer Industriebrache. Er lebt dort als Penner.
Es geschehen einige kleinere Dinge. Er liest. Er raucht. Beides war ihm nicht bewusst.
Dann schließlich findet Sie ihn wieder. (Das ist der Textabschnitt der Leseprobe)
Er versteht, dass Er Sie liebt und was das bedeutet. Dass vor ihr Er und seine Angst, seine Aggression und seine Depression, gleichzeitig miteinander sein können.

(Seite 86 – 134) Sie kehren beim dritten Besuch gemeinsam zu ihr zurück. Und Er versteht Sie und sich besser. Wieder hat er eine sehr lange kontinuierliche Zeit. Ohne Filmrisse. Er erlebt einen unkitschigen Beziehungs- und Lebensalltag mit ihr, und stellt sich wenig in Frage.
Aber Schatten, insbesondere seine eigene Unsicherheit und Zerrissenheit, schleichen sich wieder ein, bis Er ein drittes mal von ihr davonläuft, sich auf den Straßen fragt, warum er zerrissen ist, was ihn treibt und wer Sie ist, ob Sie überhaupt real sein kann. Dann kehrt er zu ihr zurück.

(Seite 135-148) Es kommt später zu einem Ausbruch, bei dem er nicht verdrängt wird und sich selbst sieht. Weil sie will, dass er schreibt, und er wissen will warum Sie nicht ihm schreibt, nicht mit ihm spricht, ihm nicht sagt wer Sie ist und wer Er ist.
In seiner Verzweiflung schlägt Er Sie.
Und Sie geht.
Und Sie kehrt zurück.
Packt Sachen und ihn in ein Auto und sie fliehen gemeinsam…
Er glaubt, dass Sie schwanger ist.
Er resumiert über die Chance und Ihren Mut, über seine Hoffnung auf eine Vereinigung mit sich selbst… und das Buch endet in der positiven Ungewissheit eines Neuanfangs